Glücksbringer

Noch vorhin spürte er die Nachmittagssonne durch das Balkonfenster und dachte an all die Studenten, die um diese Zeit längst den Arbeitstag abgeschlossen hatten und nun in Cafés und Bars ihre Freunde trafen und flirteten und all das taten, was man gemeinhin ,,leben‘‘ nennt, und zufrieden registrierte Alexander, dass er nicht die geringste Sehnsucht verspürte, ein Teil davon zu werden. Im Gegenteil, dass er hier drinnen saß und Wittgenstein las, adelte ihn. Hier war er ihnen ausnahmsweise überlegen. Aber jetzt zählt das nicht mehr. Jetzt ist er nicht mehr alleine. / Zum Text

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Glücksbringer

Glücks

bringer

Alexander hört den Schlüssel ins Schloss rasten und denkt, endlich kommt Sabine. Gleich wird er sie mit dem Nudelauflauf überraschen und den Wein hervorzaubern, den spanischen, den Sabine so gernhat. Sabine wird lächeln, dabei werden die spitzen Grübchen zum Vorschein treten, spitz und elegant wie der Eingang eines Zirkuszelts. Gemeinsam werden sie essen, und er wird sie ausfragen, was für Kurse sie heute gehabt hat. Ihre Gegenfragen wird er wie üblich so sparsam wie möglich beantworten; über sich zu sprechen, vor allem vor ihr, erscheint ihm eine Verschwendung kostbarer Zeit. Nachher bei Game of Thrones wird er aus dem Augenwinkel zu ihr herüberlinsen und darauf hoffen, dass etwas passiert, versuchen wird er natürlich nichts, also wird auch nichts passieren. Bald, wird er sich sagen, wie seit einem Jahr.

Sabine betritt den Flur, verfolgt von einem fremden Schatten.

,,Achtung!‘‘, hätte Alexander fast geschrien. 

,,Hi‘‘, sagt der Schatten und streckt ihm die Hand entgegen. ,,Ich bin Simon.‘‘

Mit einer Miene, die sich noch immer wie aufgerissen anfühlt, tut Alexander, wie ihm geheißen, und schüttelt die Hand. Der andere jedoch hat einen Check machen wollen, Alexanders unvorbereitete Hand gerät im falschen Winkel in die Hand des anderen, sodass ihre Hände irgendwo im Niemandsland zwischen Handschlag und Händeschütteln übereinander stolpern. Der andere lässt sich nichts anmerken, um es für Alexander nicht noch peinlicher zu machen, als es schon ist, hängt seine Lederjacke an den Haken und geht in die Hocke, um seine roten Turnschuhe aufzubinden. Dabei wippt er leicht in den Knien wie unter Dauerstrom, jederzeit bereit, sofort los zu sprinten.

,,Das ist Simon.‘‘, wiederholt Sabine. Sie sagt es nicht wegen des Namens, sie sagt es, um Alexander zu bestätigen, dass es wirklich der Simon ist, der seit Wochen ständig in ihren Erzählungen herumspukt und einen Juckreiz bei ihm auslöst.

Simon federt hoch und wirkt nach dem Aufstehen noch größer als vorher, sicher einen, wenn nicht zwei Köpfe größer als Alexander. Sein kräftiger, mit dunklen Bartstoppeln besprenkelter Kiefer sieht zugleich kratzig und samtig aus und verleiht dem Gesicht etwas Statthaftes. Die braunen Augen treffen Alexanders blaue, sie sind durchaus nicht unfreundlich. Obwohl oder vielleicht gerade wegen der kantigen Gesichtsknochen, der burgmauerartigen Nase flößen die braunen Augen Vertrauen ein, versprechen Sicherheit. Sie erfassen Alexander – im selben Augenblick kommen sie wortlos darin überein, dass die Verhältnisse eindeutig liegen: Simon könnte Alexander fressen, wenn er wollte, doch er lässt ihn leben. Er verspürt sogar eine gewisse Sympathie für dieses langhaarige, stockartige Kerlchen.

In dieser Sekunde wird Alexander sich seiner fettigen Haare bewusst und der Schweißflecken in den Achseln seines abgetragenen Pullovers, er schmeckt, dass er Mundgeruch hat, und schämt sich, nicht geduscht und Zähne geputzt und frische Kleider angezogen zu haben vor der Begegnung mit Simon, dem Simon.

,,Du bist also der Philosoph.‘‘, sagt Simon in scherzhaftem Ton und schlägt Alexander kumpelhaft gegen die Schulter. Der ist schon wieder nicht vorbereitet, sondern steht wie gewohnt leicht nach hinten gelehnt, so als habe er ohnehin nicht den Anspruch, lange aufrecht zu bleiben, im Gegensatz zu Simon, der breitbeinig, die Füße wie angeschraubt auf der Erde schon von Weitem keinen Zweifel daran lässt, dass er vorhat stehenzubleiben. Der Schulterklopfer wirft Alexander aus dem Gleichgewicht, erst im allerletzten Moment kann er sich mit einer kruden Verrenkung vor dem Totalkollaps retten. Simon lässt sich nichts anmerken, um die Situation für Alexander nicht noch peinlicher zu machen, als sie schon ist.

,,Sabine hat schon viel von dir erzählt. Dass du sehr belesen bist.‘‘ Er sagt das ganz ernsthaft, ohne Ironie oder die Spur von etwas Ähnlichem, das verraten würde, dass er Alexander hochnehme.

,,Wir haben uns zufällig im Bus getroffen, und wo wir schon hier in der Gegend waren-‘‘, trägt Sabine eine kurze Erklärung nach.

,,-hast du mich zu euch nach Hause eingeladen, um mir zu zeigen, wie eine Sabine sich ihr Heim so einrichtet.‘‘, vervollständigt Simon und zwinkert ihr zu. ,,Jetzt komm‘ und zeig‘ mal, wie du wohnst.‘‘ Und er klatscht sich auf den Oberschenkel, als stünden sie seit Stunden hier und einer müsse ihnen ja mal Feuer unterm Hintern machen.

Sabine führt Simon herum, Alexander trottet hinterdrein. Als er sieht, wie Simon fragt: ,,Und was ist das für ein Bild?‘‘, und dabei die Hand auf Sabines Rücken legt, um sie in Richtung Bild zu drehen, fängt sein Arm zu jucken an. ,,Wer will ein Bier?‘‘, fragt Sabine und schaut dabei Simon an.

Alexander sagt trotzdem ja.

Zu Dritt sitzen sie am langen Holztisch im Wohnzimmer. Es ist klar, dass der Abend, den Alexander sich vorgestellt hat, heute ausfällt. Trotzdem sagt er: ,,Es gibt auch noch Nudelauflauf.‘‘ Er klingt wie ein Nachbar, der zum wiederholten Male darauf hinweist, dass die Schuhe im Flur gegen die Vorschriften verstießen.

,,Wir haben schon gegessen.‘‘, entgegnet Sabine.

,,Wir haben im Delhi gegessen.‘‘, ergänzt Simon. ,,Wir haben nämlich gemerkt, dass es für uns beide nicht unser Tag ist. Sabine hat ihre Seminararbeit zurückbekommen, und ich bin meinen Laptop losgeworden.‘‘

Erschrocken dreht Alexander sich Sabine zu. Die Seminararbeit, wie konnte er das vergessen? Sonst erinnert er sich doch an all ihre Prüfungen, hat ihren Kalender besser im Kopf als sie. Einmal wünschte er ihr viel Glück für den Arztbesuch, da fiel ihr überhaupt erst wieder ein, dass sie einen Arzttermin hatte. Noch nie hat er versäumt zu fragen, und ausgerechnet heute vergisst er es zum ersten Mal, und ausgerechnet Simon erfährt es früher als er. 

Aber Sabine geht auf Alexanders fragenden, bittenden Blick nicht ein, sondern hört betont Simon zu.

Da dämmert Alexander, dass Sabine die Seminararbeit, mag sie auch noch so schlecht ausgefallen sein, längst abgehakt hat, dass sie in dem Moment, als Simon sie im Bus entdeckt und angesprochen hat – oder sie ihn -, dass sie von einer Sekunde auf die andere ganz einfach aufgehört hat, an die Seminararbeit zu denken. Dass sie jetzt im Rückblick sogar zugeben muss, wie lächerlich das eigentlich war, sich über eine verhauene Seminararbeit aufzuregen, wenn es so etwas wie die Nähe von Simon geben kann.

,,Sein Laptop wurde gestohlen!‘‘, empört sie sich.

,,Du musst wissen‘‘, wendet Simon sich an Alexander, ,,darauf war meine ganze Masterarbeit. Zwei Jahre habe ich an der geschrieben. Heute bin ich fertiggeworden. Setze den letzten Punkt, uff, und geh‘ in die Caféteria, um mir zur Feier des Tages was Richtiges zu gönnen statt diesem Müll aus dem Automaten. Rauche noch eine Zigi, zwei, und als ich zurückkomm‘, ist mein Laptop weg.‘‘

,,Oh nein‘‘, macht Alexander kaum glaubwürdig, ohne dass Simon es mitbekäme, der schreitet bereits zur Pointe: ,,Zum Glück hab‘ ich das!‘‘ Und triumphierend zieht er aus seinem Rucksack eine externe Festplatte hervor. ,,Mach‘ immer ein Backup.‘‘, und er zwinkert Alexander zu.

,,Dafür, dass du heute fast deine Masterarbeit verloren hättest, wirkst du aber ganz schön entspannt.‘‘, meint Sabine.

,,Na ja, du doch auch.‘‘, entgegnet Simon und richtet einen Blick auf Sabine, der sie links und rechts an ihren Schultern mit dem orangen Pullover an die Wand nagelt. Sabine wird rot.

Mit einer demonstrativen Wendung zu Alexander lässt Simon Sabine noch warten: ,,Was liest du grad?‘‘

Die Frage kommt so unerwartet, dass Alexander sich ertappt fühlt. ,,Ich-‘‘, setzt er an, bricht ab, da ist ein Jucken in seiner Kehle. ,,Die Philosophische Grammatik von Wittgenstein.‘‘, zwingt er sich fortzufahren. ,,Er erörtert darin die Frage, wie Termini ihre Bedeutung erhalten. Die Wörter erhalten laut Wittgenstein ihre Bedeutung durch die Referenzen, die ihre Benutzer ziehen, und es mangelt ihnen an einem inhärenten- einer inhärenten-‘‘

Je angestrengter er es versucht, desto offensichtlicher scheint seine Befürchtung sich zu bestätigen, dass er nichts verstanden hat. Noch schlimmer: Er klingt wie der letzte Langweiler! Vorhin spürte er die Nachmittagssonne durch das Fenster und dachte an all die Studenten, die um diese Zeit längst den Arbeitstag abgeschlossen hatten und nun in den Kneipen ihre Freunde trafen und flirteten und all das taten, was man gemeinhin ,,leben‘‘ nennt, und zufrieden registrierte Alexander, dass er nicht die geringste Sehnsucht verspürte, ein Teil davon zu werden. Im Gegenteil, dass er hier drinnen saß und Wittgenstein las, adelte ihn. Hier war er ihnen ausnahmsweise überlegen. Aber jetzt zählt das nicht mehr. Jetzt ist er nicht mehr allein. Mit seinen Theorien kommt er sich aufdringlich vor, wie ein Parasit. Ja, das unbeholfene Rudern seiner Arme – Gesten sollen das sein – erinnert an einen Käfer, der hilflos auf dem Rücken zappelt. Und seine Stimme: So häufig, wie er abbricht und neu ansetzt und wieder abbricht, ist es bloß eine Frage der Zeit, bis seine Zuhörer die Geduld verlieren werden. Wirklich, jemand sollte ihn mal bei den Schultern packen und ordentlich durchrütteln, vielleicht dass dann zumindest Teile in seinem Kopf endlich an die richtige Stelle rutschen.  

,,Gell, Professor würde ihm stehen.‘‘, sagt Sabine, als er endgültig abbricht. Sie sagt das nicht zum ersten Mal, im Unterschied zu jetzt klang es aber bisher liebevoll. Den abschätzigen Zug um ihren Mund bildet er sich nicht ein: Sie schämt sich für ihn. 

,,Die Beetle-in-the-Box-Theorie von Wittgenstein.‘‘, schaltet Simon sich ein. ,,Die hatten wir auch mal, in einem Kurs über Bewusstsein.‘‘ Er setzt sich aufrecht hin und hebt die Hände, wie um einen vollen Vorlesungssaal um Aufmerksamkeit zu bitten. ,,Stellt euch zwei Personen vor, jeder von ihnen besitzt eine Kiste. In den Kisten, darin sind sie sich einig, befindet sich jeweils ein Käfer. Solange beide den Gegenstand in der Box ,Käfer‘ nennen, spielt es keine Rolle, was wirklich drin ist. Einverstanden?‘‘ Sabine nickt nachdrücklich. ,,So funktioniert menschliche Kommunikation. Wir beide sagen: Dein Pullover ist orange. Vielleicht sieht Orange für dich völlig anders aus als für mich, vielleicht sieht es für dich so aus, wie für mich Grün aussieht, und mein Orange ist dein Grün. Aber wie die Dinge uns persönlich erscheinen, spielt keine Rolle, solange wir uns beide einig sind, dass dein Pullover orange und Gras grün ist. Das meint Wittgenstein, wenn er sagt, der inhärente Charakter der Dinge könne vernachlässigt werden. Ziemlich clever, oder?‘‘

,,Du wärst ein guter Dozent.‘‘, sagt Sabine in einem Ton, der Alexander sofort wieder das Jucken auf seinem Arm ins Gedächtnis ruft.

Er sollte jetzt aufstehen, etwas von einem Kapitel murmeln, das noch fertiggelesen werden müsse, und sie in Ruhe lassen. Jetzt zu verschwinden, wäre nicht nur für sie, es wäre für alle Beteiligten das Beste, so könnte er sich immerhin einen Rest von Würde bewahren. Alexander weiß das, und aus irgendeiner verqueren Logik bleibt er genau deswegen sitzen.

Das Gespräch dreht sich mittlerweile um Simons Praktikum in der Psychiatrie. Simon erzählt von einem Herrn R. Der Mann sei vor mehreren Wochen mit schwerer Depression eingeliefert worden. Simon beschreibt ihn in Formeln von ,,motorisch verlangsamt‘‘, ,,sozial gehemmt‘‘, ,,tiefer Selbstwert‘‘. Er selbst dürfe noch keine Psychotherapien mit den Patienten durchführen, aber vor Alexanders Augen nimmt ein Bild Gestalt an, entwickelt sich im Zeitraffer wie der Auszug einer Polaroid. Und dann erkennt Alexander, was es zeigt: Simon auf einem Therapeutensessel, schwarz, lederbezogen, so wie man sich einen Therapeutensessel vorstellt; ihm gegenüber auf einem anderen Stuhl – den Alexander sich als Holzschemel vorstellt, obwohl er weiß, dass heutzutage keine Psychiatrie mehr den Patienten Holzschemel vorsetzt – auf diesem Holzschemel sitzt ein schmaler, junger Mann, der Patient. Er hat Alexander den Rücken zugekehrt, trotzdem erkennt er an dem blonden Zopf sofort, dass es sich um ihn selbst handelt.

Simon sitzt in seinem Therapeutensessel genauso aufrecht wie jetzt hier im Wohnzimmer. Unter seinem Hemd zeichnen sich seine kräftigen Oberarme und sein Brustkorb ab, der ein Beispiel dafür ist, wieso es Brustkorb heißt, so wie seine Fitness ein Musterbeispiel für Gesundheit ist. An seinen Füßen stecken die roten Turnschuhe, auf denen Herr Wittgenstein – wie Alexander Simon in Ermangelung seines wahren Nachnamens tauft – die Klinikflure durchmisst. Keine Sekunde vertändelt der federnde Schritt auf dem Weg zum nächsten Ort, wo eine weitere verzweifelte Seele des Doktors Fachkompetenz und Therapietechniken harrt. Und all die ,,Sozial Gehemmten‘‘, ,,Selbstunsicheren‘‘, ,,Motorisch Verlangsamten‘‘ werden nur umso greller beleuchten, wie gesund Doktor Wittgenstein ist. Und der schmale junge Mann auf dem Patientenhocker, der schon mit seinem überschaubaren 23-jährigen Leben überfordert ist, kann in Gestalt seines Therapeuten begutachten, was ihm auf ewig verwehrt bleiben wird. 

,,Du rauchst eine mit, oder?‘‘ Damit ist er gemeint. Simon fragt ihn, ob er mit Sabine und ihm eine Zigarette rauchen möchte, und stellt die Frage so, dass Alexander gar nichts anderes übrigbleibt.

Auf einmal klopft der Gedanke an Alexanders innere Tür, wann er gehe, liege ohnehin nicht in seiner Macht. Die Frage lautet vielmehr: Wann wird Simon ihn gehen lassen?

Draußen um diese Zeit besitzt die Herbstluft bereits Schmerzpotenzial. Alexander verzichtet auf seine Jacke, möglicherweise erhofft er sich etwas von der Kälte, dass sie ihn zur Vernunft bringe oder etwas in der Richtung. Aber er friert bloß.

,,Hier‘‘, Simon streckt ihm die Marlboro-Packung hin.

Alexander zieht eine. ,,Seit wann rauchst du?‘‘, fragt Sabine belustigt, und da, zum ersten Mal, verspürt er den Impuls, sie zu packen, für diese Frage.

Simon gibt ihm Feuer und fragt: ,,Gelegenheitsraucher?‘‘ mit einer Stimme, als rufe er Sabine zur Ordnung. Er habe vollstes Verständnis für Alexanders Lage, soll diese Stimme mitteilen. 

Anstatt einer Antwort bricht Alexander in einen Hustenanfall aus. Was tut er hier? Aber er kann nicht zurück, bevor er die Zigarette in seiner Hand nicht in Rauch aufgelöst hat. 

,,Nicht so‘‘, lacht Simon sein eindringliches Basslachen, der gerade Sabine beibringt, wie man Rauchkringel produziert. Sabine wiederum bricht in ihr Sabine-Lachen aus, das jetzt noch aufgeregter klingt als sonst und auf eine neue Art unsicher. Alexander gibt vor, etwas sehr Interessantes in den Fenstervierecken des gegenüberliegenden Wohnblocks zu beobachten, und in der Tat, fast jeden Abend nimmt er auf dem Balkon im Plastikstuhl Platz wie in einem Theatersessel und genießt die Vorstellung. In der Nacht gleichen die Wohnungen Aquarien, in denen fremdes Leben schwimmt.

Er hört das schmatzende Geräusch, als Simons und Sabines Münder aufeinandertreffen, und tut weiterhin so, als interessiere er sich für die Aquarien. Zwei Küsse zählt er. Noch halten sie sich zurück aus Rücksicht auf ihn. ,,Es wird kalt.‘‘, sagt Simon und steht auf. Sabine räuspert sich und folgt ihm hinein. Alexander steht ebenfalls auf, aus irgendeinem Grund trottet er hinterher, durch das Wohnzimmer, in den Flur. Dort bereitet seinem Schlafwandel Sabines Zimmertür ein abruptes Ende.

*

Er sitzt auf seinem Bett und betrachtet das Hufeisen an der Heizung. Sein Onkel hat ihm den Magneten vor Jahren geschenkt mit den Worten, das sei kein normaler Glücksbringer, sondern ein Supermagnet aus Neodym, weil sein Onkel glaubte, so etwas beeindrucke Alexander. Wie lange er so dasitzt, kann er nicht sagen, nur dass er sofort in einen tiefen, traumlosen Schlaf sinkt, nachdem er den Magneten von der Heizung gezogen hat, noch einmal in den Flur zurückgekehrt ist, aus Simons Rucksack die ebenfalls magnetische Festplatte herausgenommen und einige Male um den Magneten herumgeführt hat. Nicht länger als ein paar Sekunden, den Rest überlässt er dem Gesetz von Anziehung und Abstoßung.

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