Über mich

,,Kunst, Literatur oder Musik entstehen oft daraus, dass der Künstler sich der Welt unsicher ist. Er passt nicht ganz zu dieser Welt…

…und sie passt nicht zu ihm. Der Schreibende versucht, sich die Welt durch das Schreiben zu erklären.“ – Ferdinand von Schirach

Seit mehr als fünfzehn Jahren meines 22-jährigen Lebens schreibe ich, also seit ich das Schreiben gelernt habe (davor wurden die Geschichten diktiert). Vierzehn Jahre sind eine lange Zeit, besonders wenn sie gleich mehrere Lebensphasen enthalten, in denen das Leben sich verdichtet und die in der Persönlichkeitsbildung eine entscheidende Rolle spielen. Die letzte dieser Phasen, das Erwachsenwerden, dauert noch an. Ob es je enden wird?

Zuerst träumte ich davon, eine Welt zu schaffen wie Tolkiens ,,Mittelerde‘‘, was den Anstoß für zahllose begeisterte und wieder aufgegebene Buchanfänge gab. Dann begab ich mich vier Jahre lang ins Mittelalter, wo ich meinen ersten vollendeten, am Ende 400 Seiten starken Roman ansiedelte. Mittlerweile bin ich in der Gegenwart angekommen. Ich finde, die ist spannend genug.

Nach 12 Jahren Schule hatte ich keine Ahnung, wie meine Zukunft aussehen sollte. Alle ,,Finde-heraus-welches-Studium-zu-dir-passt‘‘-Tests gaben mir immer nur die gleiche Auskunft: Germanistik, ein Fach, das zweifellos perfekt zu mir passte, aber leider wenig zukunftsweisend war. Also beschloss ich, ein sogenanntes ,,Orientierungsjahr‘‘ einzulegen, in dem mir vielleicht etwas Besseres einfiele. Und wirklich, von diesem Jahr profitierte ich persönlich ungemein: Zwei Monate arbeitete ich auf einem Bauernhof in Irland, anschließend genau so lang als Praktikant im Freiburger Stadttheater und dann drei Monate in einem Kinder- und Jugendtheater in einer Nachbarstadt. Die Erfahrungen, die ich hier sammeln konnte, verhalfen mir sogar zu einem neuen Text (in dem du hier nachlesen kannst, wie ich mich neu erfinden wollte).

Aber irgendwann ging auch dieses Jahr vorbei, und schlussendlich lief es dann doch auf ein Germanistikstudium in Freiburg i. Brsg. hinaus, das ich im Herbst 2015 aufnahm. In dieser Zeit begann ich, vermehrt Bücher über psychologische und soziologische Themen zu lesen. Individualismus, seine Vor- und Nachteile, die neoliberale Ideologie und ihre umfassenden Folgen für alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens, das Verhältnis der Geschlechter, Konsum als Lebensstil, Konsum von Beziehungen, Gefühlen und Inhalten – das waren die neuen Themen, die mich fesselten. Ich fand es ungemein befriedigend, darüber zu lesen und zu reflektieren und dadurch manche Dinge in meinem eigenen Leben und meiner direkten Umwelt besser zu verstehen.

Soziologie und Psychologie sind, meiner Meinung nach, zwei Seiten derselben Medaille. Wir sind, ob wir es wollen oder nicht, Teil einer Gesellschaft und darin eingebettet, und der Charakter dieser Gesellschaft prägt auch unseren individuellen Charakter. Wie wir auf die Welt blicken, welche Wünsche, Sehnsüchte und Ängste wir hegen, das ist oft viel weniger individuell, als wir meinen. Heute ist das Gespür dafür, dass jeder von uns Teil eines Systems ist, welches der persönlichen Handlungsfreiheit Grenzen setzt und Zwänge ausübt, verlorengegangen. Uns wird weisgemacht, wir allein könnten bestimmen, wie unser Leben aussieht. Dass es nur an einem selbst läge, sein Glück zu finden. Abgesehen davon, dass das nicht stimmt, klingt es auf den ersten Blick toll. Auf den zweiten heißt das: Wenn du unglücklich bist, selbst schuld. Aber den Problemen unserer Zeit – Unzufriedenheit, Gefühle der Unzulänglichkeit, Angst vor dem Absturz, Einsamkeit, Isolation, Bindungsangst, Selbstverlust –, all diesen Problemen kann man gar nicht ausweichen. Sie ereilen einen zwangsläufig. Es sind Probleme unserer Zeit, weil sie der Struktur unserer individualistischen Gesellschaft entspringen. Der Soziologe Zygmunt Bauman bringt es auf den Punkt: Das Individuum soll Probleme lösen, die gesellschaftlich verursacht werden. Das Tragische ist, dass die meisten, die darunter leiden, nicht wissen, dass sie nicht alleine leiden.

Mit meinen Texten verfolge ich unter anderem das Ziel, für die Zusammenhänge zwischen dem Individuellen und dem Kollektiven zu sensibilisieren.

So war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Idee herauskristallisierte, Psychologie zu studieren. Trotz angestrengter Suche fand ich keine deutsche Uni, deren N.C. mein Abi-Schnitt (knapp besser als 2) standhalten konnte. Durch Zufall stieß ich auf die Schweizer Universität Fribourg, dank der ich im Herbst 2016 ein Psychologiestudium aufnehmen konnte. Mittlerweile bin ich im vierten Semester, studiere im Nebenfach Soziologie und kann mir gut vorstellen, später als Therapeut zu arbeiten.

Die Idee zu dieser Website kam mir im Winter 2018. In meiner (virtuellen) Schublade hat sich ein beachtlicher Stapel Texte angesammelt. Einige davon sind lesbar, und um manche wäre es, glaube ich, sogar schade, würden sie nur Staub ansetzen. Diese Website ist der Versuch, dem, worüber ich mir so Gedanken mache, eine Plattform zu geben, in der Hoffnung, dass andere vielleicht über Ähnliches nachdenken und in meinen Texten etwas davon wiederfinden.

Da die Anregung gern wechselseitig sein darf, freue ich mich auf deine Kommentare.