Lesungen

Liebe Leserinnen & Leser,

Ich freue mich, euch heute eine neue Rubrik zu präsentieren: Die HINTERSINN-Lesungen! Und weil es die allererste Lesung ist, wird es eine ganz spezielle Lesung. Sie nimmt euch mit auf einen nächtlichen Spaziergang. Seid dabei, wenn heute Nachmittag um Punkt 17:00 Uhr der Vorhang gelüftet wird. Kauft noch rasch Popcorn ein, stellt ein Bier kühl, und dann klickt auf die neue Seite LESUNGEN.  Es handelt sich um eine YouTube-Premiere, ihr könnt also zeitgleich kommentieren 😉

Viel Vergnügen!

Glücksbringer

Noch vorhin spürte er die Nachmittagssonne durch das Balkonfenster und dachte an all die Studenten, die um diese Zeit längst den Arbeitstag abgeschlossen hatten und nun in Cafés und Bars ihre Freunde trafen und flirteten und all das taten, was man gemeinhin ,,leben‘‘ nennt, und zufrieden registrierte Alexander, dass er nicht die geringste Sehnsucht verspürte, ein Teil davon zu werden. Im Gegenteil, dass er hier drinnen saß und Wittgenstein las, adelte ihn. Hier war er ihnen ausnahmsweise überlegen. Aber jetzt zählt das nicht mehr. Jetzt ist er nicht mehr alleine. / Zum Text

Sommerhaus, später

Judith Hermanns Geschichten handeln nicht von Ausnahmemenschen, ihre Protagonisten sind von der Sorte, der man tagtäglich im Bus oder Café begegnen könnte. Und dennoch können sie einen erstaunen und überrumpeln, auch verärgern. / Hintersinn über den Eigensinn von Judith Hermanns Figuren.

,,Ist da noch frei?“

Noch vor zehn Wochen hätte Tim, 25, Informatikstudent, nicht geahnt, dass er demnächst im Zug einer fremden Frau gegenübersitzen und nach den richtigen Worten suchen wird. Allerdings hat er vor zehn Wochen auch noch nicht geahnt, dass Sarah Schluss machen wird. Er darf jetzt nicht daran denken. Er hat eine Mission zu erfüllen. Zwei Frauen pro Tag, um die Angst zu verlieren. / WEITERLESEN

Eine wie Rosa

Nachdem Rosa ihren Besuch zweimal angekündigt und wieder abgesagt hat, hätte Joshua nicht geglaubt, dass sie diesmal tatsächlich vor seiner Tür stehen würde. ,,Mit Andreas ist endgültig Schluss.‘‘, verrät sie Joshua. Sie legt sich auf sein Bett und lässt die Beine schaukeln. Die Null-Uhr-Acht-Straßenbahn, die sie eigentlich nehmen wollte, verpasst sie. ,,In einer Viertelstunde fährt noch eine, dann aber wirklich die allerletzte.‘‘ Das versetzt Joshua den nötigen Schubser: er beugt sich vor und küsst sie.  

,,Es ist kompliziert.“, erklärt sie ihm… / WEITERLESEN

Der Verrat

Mara wünscht sich jemanden, an dessen Schulter sie ihren Kopf lehnen und dessen Arme ihr das Gefühl geben können, alles werde wieder gut. Jemanden abgesehen von Nattie, versteht sich. 

Das ist die Geschichte von Mara und Nattie, beste Freundinnen, plötzlich erbitterte Konkurrentinnen…. / Weiterlesen…

Romanze bei Mondschein am See

Es ist nach Mitternacht, um diese Zeit ist die Straße vom Blausee zur Stadt tot. Doch in dieser Nacht bewegt sich etwas auf der linken Spur. Ein junger Mann läuft bergabwärts, die Hände in den Taschen; an Handschuhe hat er nicht gedacht. Um Ein Uhr nachts die fünfundzwanzig Kilometer vom Blausee zur Stadt laufen zu müssen, war in seinem Plan nicht vorgesehen. Der Plan war eigentlich, die Nacht in Gesellschaft zu verbringen. In weiblicher Gesellschaft. Aber manche Abende verlaufen außerplanmäßig. ZUM TEXT.

Heiko

,,Was wünschen Sie sich, Frau Liebig?‘‘ Aber sie kann es nicht aussprechen. Er weiß es ohnehin. ,,Ich kann fliegen.‘‘, ermuntert Heiko. ,,Ich könnte Sie mitnehmen.‘‘

Die Banalität des Bösen

Wann immer im Prozess ein Zeuge eine neue Greueltat der SS in den Lagern zur Sprache brachte, reagierte Eichmann empört. Fernab von niederen Motiven hatte er nur seine Arbeit getan, für reibungslose Transporte gesorgt und permanent an deren Effizienzsteigerung gearbeitet. Nur so würde er sauber und unschuldig bleiben können. BUCHREZENSION ZU HANNAH ARENDTS STUDIE DES BÖSEN.

Solo

„Du bist ein Klotz“, sagt sie manchmal. Abends ist es immer so warm und die Luft so dick, dass sie kaum zu atmen ist. Wenn er fertig ist und aufsteht, muss er tief einsaugen, bis er überhaupt Luft in seiner Lunge spürt. Nur am Kühlschrank, beim Bierholen, kriegt er kurz richtig Luft. „Jeden Abend“, sagt sie. „Musst du wirklich jeden Abend?“ ZUR ERSTEN GESCHICHTE SEIT LANGER ZEIT